
Die Faszie
Jeder spricht davon - doch was ist eigentlich die Faszie?

Die Faszie ist ein feines, elastisches Bindegewebenetz, das den gesamten Körper durchzieht. Sie umhüllt, durchdringt und verbindet Muskeln, Organe, Knochen und Nerven, und verbindet alles miteinander zu einer beweglichen Einheit. Aus diesem Grund können Spannungen an einer Stelle weitreichende Auswirkungen auf den ganzen Körper haben. Eine Verhärtung im Rücken kann zum Beispiel Einfluss auf Nacken oder Beine haben.
Faszien geben dem Körper Form, Halt und Stabilität. Gleichzeitig ermöglichen sie geschmeidige Bewegungen und die Weiterleitung von Kräften. Durch Stress, Verletzungen oder Bewegungsmangel können Faszien jedoch verhärten oder verkleben, was zu Spannungen, Schmerzen und Fehlstellungen führen kann.
In der Shiatsu-Praxis werden Faszien durch achtsame Berührung, Druck und Dehnung angesprochen, um ihre Elastizität und das natürliche Gleichgewicht im Körper wiederherzustellen. Durch die sanfte Technik baut die Faszie effektiv Stress ab und entspannt sich dabei.
Die Arbeit mit der Faszie muss also nicht zwingend schmerzhaft sein!
In meiner Praxis habe ich bereits erfahren, dass die Faszie viele Gesichter hat und wie ein eigenständiges Lebewesen in uns wohnt und mit uns kommuniziert.
Aufgrund ihrer Position wird die Faszie unterschieden in:
1. Oberflächliche Faszien (Fascia superficialis)
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Liegt direkt unter der Haut.
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Besteht aus lockerem Bindegewebe, enthält Fettzellen, Nerven und Blutgefäße.
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Verbindet die Haut mit den tieferliegenden Strukturen und ermöglicht, dass sich die Haut verschieben kann.
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Spielt eine große Rolle bei der Wahrnehmung, Temperaturregulation und Beweglichkeit der Haut.
2. Tiefe Faszie (Fascia profunda)
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Umhüllt und durchdringt Muskeln, Knochen, Sehnen, Gelenke und Organe.
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Besteht aus dichterem, kräftigerem Bindegewebe.
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Trennt Muskelgruppen voneinander, formt Muskellogen und überträgt Kraft und Spannung im Bewegungsapparat.
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Besonders wichtig für Körperhaltung, Koordination und Bewegungseffizienz.
3. Viszerale Faszie
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Umhüllt und verbindet die inneren Organe (z. B. Lungen, Herz, Verdauungsorgane).
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Hält die Organe an ihrem Platz, ermöglicht aber gleichzeitig gleitende Bewegungen bei Atmung und Verdauung.
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Spielt eine zentrale Rolle bei der Verbindung zwischen Körperhaltung und Organfunktion.
4. Meningeale Faszie
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Bezeichnet die Hirn- und Rückenmarkshäute (Dura mater, Arachnoidea, Pia mater).
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Diese Hüllen bestehen ebenfalls aus Bindegewebe und schützen sowie umgeben Gehirn und Rückenmark.
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Man spricht im weiteren Sinn von einer meningealen Faszie oder craniosakralen Faszie, besonders in der Osteopathie oder Craniosacral-Therapie.
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Funktionell steht sie in Verbindung mit der Wirbelsäule und dem gesamten Fasziensystem, vor allem über die Dura mater spinalis.

Faszien und Sport
Faszien spielen eine zentrale Rolle in der Leistungsfähigkeit und Verletzungsprävention beim Sport. Sie übertragen Kräfte zwischen Muskeln und Gelenken, speichern elastische Energie und sorgen für geschmeidige Bewegungen. Regelmäßiges Training, Dehnen oder Faszien-Workouts halten das Bindegewebe flexibel und belastbar, während einseitige Belastungen oder mangelnde Bewegung zu Verklebungen, Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen führen können. Sportarten wie Laufen, Yoga oder funktionelles Training aktivieren Faszien gezielt, verbessern die Körperwahrnehmung und steigern die Effizienz jeder Bewegung. Zudem reagieren Faszien sensibel auf die Intensität und Qualität der Bewegung, wodurch gezieltes Training nicht nur Muskeln, sondern auch das Fasziennetz stärkt.

Faszien und das autonome Nervensystem
Faszien stehen in enger Verbindung mit dem autonomen Nervensystem, das unbewusst Körperfunktionen wie Herzschlag, Atmung und Verdauung steuert. Spannungen oder Verklebungen in den Faszien können über sensorische Nervenbahnen Signale an das Nervensystem senden und so Stressreaktionen, Muskelanspannung oder eingeschränkte Beweglichkeit verstärken. Umgekehrt können gezielte Faszienarbeit, Dehnung oder sanfte Bewegungen das autonome Nervensystem beruhigen, den Parasympathikus aktivieren und ein Gefühl von Entspannung und innerer Balance fördern.

Faszien und Meridiane - Zusammenhang
Viele der Meridiane verlaufen entlang oder in enger Nachbarschaft zu diesen Faszienbahnen. Das bedeutet: Spannungen, Verklebungen oder Blockaden in einer Faszie können den Energiefluss entlang eines Meridians stören und sich auf Körper und Geist auswirken. Umgekehrt kann gezielte Faszienarbeit den Meridianfluss positiv beeinflussen. Durch die Lösung von Verspannungen wird der Energiefluss aktiviert, die Durchblutung verbessert und die Körperwahrnehmung gestärkt. Interessanterweise zeigt sich oft eine Gegenwirkung: Wenn an einer Stelle der Faszie Blockaden gelöst werden, können sich andere Körperregionen entspannen oder sich alte Spannungsmuster auflösen, da Faszien als durchgehendes Netzwerk auf Veränderungen reagieren. So entsteht ein dynamisches Zusammenspiel zwischen Körperstruktur, Energiefluss und Beweglichkeit.

Arbeit mit der Faszie
Faszienarbeit kann körperliche und emotionale Prozesse gleichzeitig ansprechen. Alte Spannungen oder traumatische Erlebnisse in Form von Erinnerungen, Emotionen oder körperlichen Reaktionen können wieder spürbar werden. Dieses „körperliche Gedächtnis“ der Faszien erlaubt es, unverarbeitete Erfahrungen bewusst wahrzunehmen und durch achtsame Bewegung, Atmung oder Berührung sanft zu lösen, was oft ein tiefes Gefühl von Erleichterung und innerer Klarheit bringt.





Die Aufgaben der Faszie
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Formgebung des Körpers – Faszien geben dem Körper Stabilität und Struktur.
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Kraftübertragung – Sie verbinden Muskeln und Sehnen und übertragen Kräfte effizient über den Körper.
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Beweglichkeit ermöglichen – Faszien unterstützen die Elastizität und Flexibilität der Muskeln und Gelenke.
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Schutz der Organe – Umhüllen und polstern innere Organe.
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Verbindung des gesamten Körpers – Bilden ein durchgehendes Netzwerk, das verschiedene Körperregionen miteinander verbindet.
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Speicherung von Bewegungsmustern – Besitzen ein somatisches Gedächtnis für wiederholte Bewegungen.
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Sensorische Wahrnehmung – Enthalten Nervenendigungen, die Druck, Spannung und Bewegung wahrnehmen.
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Koordination von Muskelbewegungen – Unterstützen das Zusammenspiel von Muskeln durch ihre Vernetzungen.
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Regulation des Flüssigkeitshaushalts – Transportieren Wasser und Nährstoffe im Gewebe.
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Reizweiterleitung – Kommunikation mit dem Nervensystem über mechanische und chemische Signale.
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Schmerzwahrnehmung – Faszien können Schmerzsignale auslösen, z. B. bei Verspannungen oder Verklebungen.
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Unterstützung des Stoffwechsels – Durch Durchblutung und Lymphtransport fördern sie den Zellstoffwechsel.
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Dämpfung von Schlägen und Stößen – Wirken wie ein „Stoßdämpfer“ bei Bewegung und Belastung.
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Verbindung zu Meridianen und energetischen Bahnen – Einfluss auf Energiefluss und Körperbalance.
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Mitwirkung am autonomen Nervensystem – Spannungen oder Entspannung der Faszie beeinflussen Herzschlag, Atmung und Stressreaktionen.
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Integration vom emotionalem Gedächtnis – Können emotionale Spannungen speichern und bei Faszienarbeit wieder lösen.
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Unterstützung der Heilungsprozesse – Beschleunigen die Regeneration nach Verletzungen durch Gewebsneubildung.
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Kommunikation zwischen Körperteilen – Veränderungen an einer Stelle wirken oft auf andere Bereiche des Körpers.
